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19.04.2009 Von: Elfrun Maaz

Indien 2008 - Teil XIII - Besuch bei den Kindern im Kinderheim

Nach dem Aufstehen haben wir mit Erstaunen festgestellt, dass wir ja jetzt beide allein auf uns gestellt sind. Nach dem Duschen sind wir zum Frühstück gegangen. Das gestaltete sich schon etwas schwierig, weil wir beide fast kein Englisch sprechen können, aber mit Händen und Füssen ging es. Wir haben danach bei der Rezeption nachgefragt, ob eine Nachricht für uns eingegangen ist. Wir sollten ja vom Kinderheim abgeholt werden. Es war noch keine Nachricht da. Also haben wir gewartet. So gegen 9.00 Uhr kam eine Nachricht, dass wir an der Rezeption erwartet werden. Wir sind zur Rezeption gegangen. Dort erwartete uns Frau Gayatree, eine Mitarbeiterin vom Kinderheim, und auch ein Fahrer. Wir haben uns begrüsst und wollten dann losfahren. Frau Gayatree sagte uns, es wäre günstig wenn wir uns Sachen zum Wechseln mitnehmen, weil ja heute Holi ist und es könnte passieren, dass die Sachen nicht sauber bleiben. Also sind wir uns schnell Sachen aus dem Zimmer geholt. Frau Gayatree erklärte uns, dass die Kinder des Heimes am Wasser sind. Also sind wir losgefahren.


Im Kinderheim von Mumbai

Es dauerte nicht lange und wir stiegen aus. Man hörte schon eine Menge Lärm. Ich hatte meine Kamera mitgenommen. Als wir am Wasser angekommen sind, habe ich die Kamera schnell wieder eingepackt. Denn was dort los war, kann man nicht beschreiben, man muß es miterlebt haben. Es waren sehr viele Kinder dort, sie spielten, bewarfen sich mit Farben, schrieen durcheinander, lachten, sangen, liefen ins Meer, um sich die Farben abzuwaschen, danach bewarfen sie sich erneut mit Farbe. Das Wasser sah heute sehr bunt aus wie ein Farbtopf. Die Kinder vom Kinderheim waren auch dort. Sie erkannten Gayatree und trotz Verbotes bekamen wir natürlich Farbspritzer ab. Aber das war uns egal. Es ist ja Holi. Nachdem wir dem Treiben eine Weile zugesehen haben, stiegen wir wieder ins Auto und fuhren zum Kinderheim. Es war in der Nähe und so dauerte die Fahrt nicht sehr lange. Wir gingen durch ein grosses Tor und waren dann auf einem Hinterhof. Das Gelände bestand aus mehreren Gebäuden. Gayatree zeigte uns die Anlage. Sie machte einen erbärmlichen aber sauberen Eindruck. Wir waren aber von der Ausstattung überrascht. Die Kinder hatten zwar nur einen gemeinsamen Schlafraum, aber jedes Kind hatte sein eigenes abschliessbares Schrankfach. Sie hatten auch einen kleinen Sportplatz, eine kleine Sporthalle und sogar ein Computerzimmer. Die Computer waren zwar schon recht alt, aber sie hatten welche. Ich glaube, wir beide dachten gerade an die Kinder aus dem Bergdorf, die hatten gar nichts. Im Büro der Leitung wurden wir von einem weiteren Mitarbeiter erwartet. Nach einer kleinen Weile kam dann auch der Leiter des Kinderheimes. Wir übergaben unsere Spende und unterhielten uns noch eine Weile. Dies gestaltete sich wieder etwas schwierig aufgrund der Sprache. Spätestens hier haben wir festgestellt, dass wir unbedingt bis unsere nächste Reise nach Indien stattfindet, Englisch lernen müssen. Haben schon damit angefangen.

Arm, aber sauber und glücklich

Wir sind dann ins Büro von Gayatree gegangen. Sie zeigte uns dort einige Aktivitäten von „Schelter Don Bosco“. Diese Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf das Kinderheim, sondern sie kümmern sich auch um Strassenkinder, manchmal bringen Eltern ihre Kinder in das Kinderheim, weil sie diese nicht mehr ernähren können. Gayatree zeigte uns an einem Videofilm auch, dass sie mit den Kindern zusammen in den Urlaub fahren, zum Wandern, Bergsteigen usw. Wir waren erstaunt. Nun fragte sie uns, ob wir bei der Essensausgabe helfen wollen. Natürlich wollten wir. Also sind wir auf den Hof gegangen. Dort befanden sich bereits die Kinder und warteten auf das Essen. Es wurde in grossen Kesseln gebracht. So ca. 40 Kinder waren dort. Es waren ausschliesslich Jungen. Sie waren unterschiedlichen Alters, auch haben wir behinderte Kinder gesehen. Wir standen beide hinter diesen riesigen Kesseln und begannen nach einer Weile an zu schwitzen. Wir verteilten Reis, Gemüse und auch ein bisschen Fleisch war dabei. Was uns aber noch mehr erstaunte, war die Menge, die die Kinder aßen. Vielleicht bekamen diese Kinder nicht immer soviel zu Essen. Um das feststellen zu können waren wir nicht lange genug da. Die Kinder aßen, wuschen dann ihr Geschirr selbst ab und stellten es dann hin zum Trocknen. Aber dieses Geschirr stand nicht sehr lange. Es kamen immer mehr Kinder, manche Kinder kamen zwei- oder sogar dreimal. Man was konnten diese Kinder essen. Für uns beide hätte jede Portion fast für eine Woche gereicht. Nach dem Essen spielten wir mit den Jungen Fußball, aber nur kurz. Wir haben gemerkt, dass wir doch nicht mehr 10 oder 12 Jahre alt sind. Gayatree war bei den Kindern sehr beliebt, sie war ständig von ihnen umringt. Auch an uns zeigten sie grosses Interesse.

Ein weiteres Mal bemerkten wir, dass die Verständigung nicht gerade leicht war. Die Kinder konnten im Gegensatz zu uns Englisch. Sie gehen im Kinderheim ja auch zur Schule. Als einige Kinder dann auch noch mein Tatoo sahen, fingen sie an Lieder aus Bollywood Filmen zu singen. Darüber haben wir beide uns sehr gefreut. Ein kleiner Junge, ca. 10 Jahre, hatte eine wunderschöne und sehr klare Stimme. Ein richtiges Supertalent. Als er dann für uns beide auch noch die Nationalhymne Indiens sang, waren wir vollauf begeistert von dieser Stimme. Nach einer Weile fuhren wir dann zurück zum Hotel.

Unheimliche Begegnung in der Nacht

Nach dem Abendessen haben wir beide noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Dabei fiel uns auf, dass es gleich hinter dem Hotel ein kleines Elendsviertel gab. Müllberge, verschmutzte Wasserkanäle und verschmutzte Strassen. Aber das ist eben Mumbai. Mumbai ist eben nun mal gross, klein, sauber, schmutzig, modern, bunt, schwarz, weiß usw.- eben einfach alles. Auf dem Heimweg gab es aber trotzdem wieder was zu lachen. Ich bemerkte an einem Müllhaufen eine kleine Ratte. Diese suchte sicherlich etwas zu fressen, aber diese Ratte sah so was von krank aus, konnte kaum noch laufen, hatte fast kein Fell mehr, eben total gruselig. Ich zeigte sie Rani. Das hätte ich lieber nicht tun sollen. Rani fing an zu schreien und lief weg. So schnell habe ich Rani noch nicht laufen sehen. Nach ca. 50 Metern wollte Rani über das Strassengeländer klettern, um auf die andere Seite zu kommen. Sie bekam aktive Hilfe von drei jungen Indern. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Den Indern ging es genauso. So etwas haben wir gern. Elefantenwettrennen machen, auf einem Kamel in die Wüste reiten, aber vor einer kleinen, kranken Ratte weglaufen. Unverständlich oder? Ich fand das richtig lustig. Heute noch ärgere ich Rani manchmal damit. Übrigens die Ratte ist auch weggelaufen durch das Geschrei, sie hatte wohl mehr Angst vor Rani, als umgekehrt. So ging auch dieser Tag zu Ende. Morgen wollen wir eine ausgedehnte Stadtrundfahrt mit dem Taxi machen.


Fotos/Text: ©Copyrighted by Elfrun Maaz/BNA-Germany. All rights reserved.


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